
Auflage und Einschaltquote erzielen die Medien vor allem mit schlechten Nachrichten. So lesen wir mehrmals im Jahr von Skandalen in der Pflege: Hunger, unzureichende Körperpflege, Freiheitsberaubung und manchmal auch körperliche Gewalt erreichen die Titelseiten. Immer wieder wird dann nach der behördlicher Kontrolle gefragt.
Bis in die 1970er Jahre galt es in der Pflege vor allem zu gewährlleisten, dass die Pfleglinge still, satt und sauber waren. Sicher haben auch damals viele Pflegekräfte mit viel Engagement viel mehr erreicht - aber der Pflichtteil beschränkte sich auf die drei S. Zum Glück ist seit dem viel passiert und nicht nur die gesetzlich abgesicherten Ansprüche der Pflegebedürftigen gehen heute viel weiter.
Allen Ansprüchen gerecht zu werden ist damit aber auch schwieriger geworden. Auch die Frage danach was "Gute Pflege" ist, verlangt nach einer differenzierten Antwort.
In den letzten Jahren wurden nach Überprüfungen der professionellen Arbeit in der Pflege manche Mängel häufiger genannt. Hilfestellungen bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme waren nicht ausreichend. Manchmal lagen zwischen Abendbrot und Frühstück 14 Stunden, ohne dass Zwischenmahlzeiten angeboten wurden. Es war nicht eindeutig erkennbar welche Medikamente angeordnet waren, was Fehler
wahrscheinlicher macht. Manchmal wurden sedierende Medikamente ohne ärztliche Anweisung verabreicht. Es werden vielerlei Varianten von fehlerhafter Dokumentation beschrieben. In manchen Häusern war das Leitungspersonal nicht ausreichend qualifiziert, die Fachkraftquote
wurde nicht eingehalten und Fortbildung sehr vernachlässigt. Es wurden immense Ansammlungen von Überstunden moniert. Bei der Betreuung von Demenzkranken wird oft zu wenig auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse der einzelnen BewohnerInnen eingegangen. Was die unmittelbar Beteiligten kritisch sehen kann zum Beispiel bei einem Projekt des KDA
nachgelesen werden: Aus kritischen Ereignissen lernen ![]()
Dies ist nur auf den ersten Blick eine rethorische Frage.
Ein Figur aus der Medizinethik hilft weiter: einerseits Negatives, einen Schaden vermeiden und andererseits Positives tun, Gesundheit und Wohlbefinden fördern.
Bei der Vermeidung von Negativem, also falscher Medikation, Mängeln in der Ernährung oder der Hygiene können externe Prüfungen viel bringen.
Was Förderung von Gesundheit und Wohbefinden (siehe WHO zur Gesundheit
) an den 365 Tagen eines Jahres für einen einzelnen Menschen bedeutet ist schwer zu ermitteln. Da braucht es kreative, offene Pflegende, die auch die Ressourcen haben individuelle Wünsche zu erfüllen. Weder Kreativität, noch Offenheit, Zeit oder Geld kann "hineingeprüft" werden.
Schwierigkeiten mit den Äußerungen der Pflegebedürftigen und Angehörigen zeigen die im Oktober 2009 vorgestellten Ergebnisse der Bewohnerbefragung (die Fragen dazu
). Die Noten ausreichend oder mangelhaft wurden hier gar nicht vergeben. 98,8 Prozent der Einrichtungen erhalten hier gute Noten; 87,0 Prozent sogar ein sehr gut. Sie bietet damit Pflegebedürftigen und Angehörigen kaum Entscheidungshilfe für die Auswahl einer Einrichtung. Hier ist die Pflegewissenschaft gefragt Methoden zu entwickeln, die die Zufriedenheit und die Kritik der BewohnerInnen und Angehörigen differenzierter erfasst.
Patientenverbände spielen bei den Fachdiskussionen zur Pflegequalität nur eine Nebenrolle. Und was denken die Betroffenen selbst? Pflegebedürftige und ihre Angehörogen haben in der Regel einen sehr geschäftigen Tag. Nur wenige können Zeit finden sich in öffentliche Debatten einzumischen. Eine repräsentative Umfrage vom Juli 2009 zu den Vorstellungen in der Bevölkerung zur Pflege im Alter, informiert auch über Erwartungen von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen. Die Marseille-Kliniken AG hat das Institut in Allensbach beauftragt, die Einstellungen der Deutschen zur Pflege im Alter zu ermitteln. Es wurden auch Fragen zum Ansehen von Pflegeeinrichtungen gestellt, die von der Medienberichterstattung der letzten Jahre abgeleitet scheinen. Die 1800 Teilnehmenden wurden zu frustrierten Pflegekräften, schlechter Hygiene, Mängeln in der medizinischen Versorgung oder bei der Qualifizierung des Personals befragt. Dabei fällt auf, dass Menschen die Pflegeheime kennen deutlich positivere Antworten geben, als Außenstehende.
"Bei der Wahl eines Pflegeheims für einen Angehörigen würden mehr als drei Viertel besonders darauf achten, wie viele Pflegekräfte in der jeweiligen Einrichtung vorhanden sind. Noch höher ist der Anteil derjenigen, die ihre Entscheidung ausdrücklich davon abhängig machen würden, dass den Pflegekräften neben der reinen Versorgung der Pflegebedürftigen auch ausreichend Zeit für persönliche Zuwendung bleibt. Dass auf jeden Fall ein freundlicher Umgang mit den Pflegebedürftigen gewährleistet sein, steht außer Frage."
Diese Ergebnisse können Hinweise geben, wie das System zur Qualitätsprüfun weiter entwickelt werden sollte.
Pflege in Deutschland - Ansichten der Bevölkerung über Pflegequalität und Pflegesituation, Studie des IfD im Auftrag der Marseille Kliniken (Juli 2009)
weiter lesen:
Wie wird geprüft?
Zur Arbeit der Heimaufsicht
Neben den Pflegenoten werden auch andere Ideen zur Auswahl einer Pflegeeinrichtung in die Diskussion gebracht.