Heimaufsicht

Die Heimaufsicht ist Sache der Bundesländer. Sachsen hat 2009 den Bericht über die Arbeit der Heimaufsicht in den Jahren 2006/07 veröffentlicht. Dort lässt sich ganz sachlich nachlesen, wie die Heimaufsicht im Lande arbeitet und wo Probleme gesehen werden.

MängellisteDer Bericht zur Arbeit der Heimaufsicht in Sachsen in den Jahren 2006 und 2007 enthält viele Hinweise auf Probleme in der Versorgung. Manchmal wurden „sedierende Medikamente ohne ärztliche Anweisung verabreicht ... Hilfestellungen bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme waren nicht ausreichend. Ein Fall von möglicher Gewaltanwendung gegenüber Pflegebedürftigen wurde an die Staatsanwaltschaft übergeben.“ Es werden vielerlei Varianten von fehlerhafter Dokumentation beschrieben. In manchen Häusern war das Leitungspersonal nicht ausreichend qualifiziert, die Fachkraftquote pfeil wurde nicht eingehalten und Fortbildung sehr vernachlässigt. Es wurden „unzureichende Dienstplangestaltungen“ und immense Ansammlungen von Überstunden moniert. „Auch von einem unkoordinierten Einsatz von Mitarbeitern einer Zeitarbeitsfirma wurde ... berichtet.“ Bei der Ernährung gab es zu wenig Flexibilität. „Häufig waren die Zwischenzeiten zwischen Abendbrot und Frühstück zu lang (teilweise 14,5 Stunden).“
Die sächsische Heimaufsicht ist 2007 für 57.000 Heimplätze zuständig. Tag für Tag leben dort Menschen und werden unterstützt. In den vergangenen Jahren ist die Heimaufsicht immer wieder in den Medien aufgetaucht. Das spricht dafür, dass die meisten öffentlich gemachten Beschwerden auch dort gemeldet werden. Im Heimbericht werden 387 Beschwerden gezählt. Sehr vieles scheint so zu laufen, dass die BewohnerInnen und ihre Angehörigen irgendwie zufrieden sind. Die Heimaufsichten des Landes Sachsen leisten ihre Arbeit mit 12 Vollzeitstellen. 9,2 Stellen werden von Verwaltungsfachleuten und nur 2,8 von Pflegeprofis besetzt. Es muss erlaubt sein zu fragen, ob die Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung angemessen darauf vorbereitet, die Lebensqualität in Altenheimen zu bewerten. Trotz der administrativen Kompetenz sind seit dem Ende des Berichtszeitraums 19 Monate vergangen bis der Bericht veröffentlicht werden konnte.

Im August 2016 finden wir einen Artikel in der Märkischen Allgemeinen. Darin wird ziemlich detailliert ein Jahr Auseinadersetzung zwischen einem Heimträger und den Aufsichtsbehörden beschrieben. Es entsteht der Eindruck, dass es trotz vieler Mühen nicht gelingt, Pflegemängel dauerhaft abzustellen.

Für NRW gilt das Wohn- und Teilhabegesetz. Darin finden sich auch die Vorschriften zur Regelung der Heimaufsicht. Im Rhein–Kreis Neuss werden die „Prüfberichte“ zu vielen Einrichtungen veröffentlicht. Zu neun Bereichen ist darin angekreuzt:

    Anforderung nicht geprüft     nicht angebotsrelevant     keine Mängel     geringfügige Mängel     wesentliche Mängel     Mangel behoben am:

Hilft das irgendwem weiter?

Kommentar:
Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass die Möglichkeiten bürokratisch, also juristisch abgesichert, Qualität von Pflege durch Außenstehende zu prüfen, begrenzt sind. Dass in Sachsen 12 Menschen für die Qualitätsprüfungen in 1032 Heimen zuständig sein sollen, zeigt auch, dass es an Personal fehlt. Die Verteilung der Aufgaben zwischen Heimaufsicht und den aus Mitteln der Pflegeversicherung finanzierten MDK Prüfungen ist seit Jahren in der Diskussion. Professionelle Pflege und Pflegewissenschaft im deutsch-sprachigen Raum haben im Bereich der Qualitätssicherung noch viel Pionierarbeit zu leisten.


– Freistaat Sachsen: Die Heimaufsichten 2006/2007 im Freistaat Sachsen. Bericht nach § 22 Abs. 3 Heimgesetz, Dresden 2008.
Renafan und Heimaufsicht streiten über Pflege, Artikel in der Märkischen Allgemeinen vom 19. August 2016 (Link geprüft am 22. September 2016).
Prüfberichte der WTG-Behörde im Rhein-Kreis Neuss (Link geprüft am 16. Februar 2017).